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11.11.2009

Angemessener Krieg?

Während von Winston Churchill das wahre Wort stammt, daß in einem Krieg die Wahrheit als Erste stirbt, drücken sich die deutschen Kriegsminister nach wie vor darum, den Krieg in Afghanistan als Krieg zu benennen.
Der vormalige Kriegsminister Jung laberte bis zum Schluß von der " Bekämpfung eines bewaffneten Aufstands" und drückte sich mit zusammengebissenen Zähnen nach langen Tagen Bedenkzeit einen halben Satz des Bedauerns über die Opfer des Tankwagenmassakers heraus.
Zur Belohnung für das jegliche Fehlen von Anstand und des Empfindens von Trauer wurde er Minister für Arbeit und Soziales.
Der jetzige Kriegsminister von und zu Guttenberg bezeichnet den Angriff auf Tankwagen und den damit verbunden 17-150 Opfern (je nach Quelle in der Anzahl differierend) als "angemessen".
Stellt sich die Frage, wann die Tötung von Zivilisten (ohne jegliche Vorwarnung im Übrigen) unangemessen ist:
Ab welcher Anzahl, unter welchen Umständen ist die deutsche Regierung und deren Armee der Meinung, daß das Töten unangemessen wird?
Und welches Kriterium wird für Angemessenheit angelegt?
 Ich entnehme der Homepage der Bundesregierung, daß Herr Jung Vater von drei Kindern ist. Und der Herr Guttenberg hat zwei Kinder.  Würden sie, wären sie und ihre Kinder von einem Luftangriff betroffen, auch noch von angemessen reden?
Sekundiert wird das Ganze von der F.D.P. - Diese fordert einen extra Gerichtshof für die Bundeswehr. Denn - laut FDP, kann ja nicht jeder Richter beurteilen, ob ein Blutbad, das gegen bewaffnete Aufständische angerichtet wird, angemessen ist.
Da brauchts dann schon ein Extra-Recht für die Bundeswehr, wahrscheinlich mit der Option, auch den Bundesgrenzschutz und die Polizei in einen geschützten Extra-Bereich  zu transferieren.
Schlußendlich hat der Herr Von und Zu noch den Einfall, daß man dem Volk "mehr Wahrheit zutrauen könne" als bisher. Kein Witz. Originalzitat.
Bisher konnte man - so läßt sich daraus schließen, dem Volk keine oder wenig Wahrheit zutrauen. Anders gesagt... man log direkt oder sagte nur die halbe Wahrheit.
Schön, daß sich der Herr Guttenberg so direkt verplappert.
Wers noch nicht wusste,  weiß es nun: Die Bürger(innen) werden veräppelt.
Nun sagt er weiter, " das sei in Afghanistan fast ein Krieg".  Die Wahrheit kommt also scheibchenweise.  Interessant ist nur der Zeitrahmen, der gesteckt wird, bis dem Volk endlich gesagt wird, was in Afghanistan durchgeführt wird:  Ein Krieg.

06.09.2009

Zum Schießen?

1247646947844l Lieber Kriegsminister Jung,

ich bewundere Sie. Mit welcher Nonchalance Sie in Ihren Interviews uns darüber aufklären, daß die Menschen, die in Afghanistan auf Ihren Befehl (genauer gesagt: Ihres Stellvertreters dort) starben, alles Taliban sind... die Guten wurden lediglich verletzt. Und cool sind Sie: Kein Wort des Bedauerns kommt über Ihre Lippen, die Sache ist abgehakt und business as usual ist auf Ihrer Tagesordnung.

Die Guten davongekommen, die Bösen umgebracht... eine beeindruckende Bilanz des "humanitären Einsatzes" Ihrer Armee.

Und traumwandlerisch gelingt es Ihnen, das Wort "Krieg" nicht in den Mund zu nehmen - schließlich töten Ihre Befehlsempfänger dort im Namen der Menschlichkeit und im Kampf gegen den Terror.

Aber nun mal im Ernst:

Ich bedaure den Oberst, der dort ( und ganz sicher in einer Ausnahmesituation ) nun das Bauernopfer für die deutsche Politikerkaste abgeben muss und gegen den jetzt ein deutscher Staatsanwalt ermittelt.

Selbst schuld ist er allenfalls daran, daß er sich für den Job als "Universal soldier" entschieden hat ... wie es so schön in dem guten Dillan-Lied heißt: "He is the one who must decide, who's to live and who's to die".

Der brutale Krieg, der dort in Afghanistan geführt wird und offensichtlich mittlerweile keine Grenzen mehr kennt, den haben Sie und Ihre Partei ebenso zu verantworten wie der Steinmaier und seine Partei, ja auch die früheren Pazifisten von den Grünen ( gewaltfrei - basisdemokratisch-ökologisch- sozial) kriegern ja so gerne im Namen der Menschlichkeit mit.

Man könnte ja jetzt sagen, wir werden vor dem Terror beschützt. Wir nehmen der Alkaida die Rückzugs-und Aufmarschgebiete. Fakt ist, 40% der Weltproduktion von Opium kommen aus Afghanistan. Und die Taliban und Bin Ladens wurden die letzten Jahre nicht weniger, sondern immer mehr.

Fundamentalisten in christlichen und islamischen Ländern werden mehr und gewinnnen dauernd und nachhaltig an Einfluß. Anstatt also in Afghanistan oder sonstwo worldwide rumzuschießen ist die (vermutlich) beste Antwort auf Terror die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Geisteshaltung und eine klare Non-Toleranz-Haltung gegenüber Alleswissern, Frauenfeinden, Wir-sind-im-Besitz-der-Wahrheit-Typen und Stellvertretern- welchen-Gottes-auch-immer.

Holly Near singt in ihrem Song "I ain't afraid" :

"I ain't afraid of your churches, I ain't afraid of your temples, I ain't afraid of your praying, I am afraid what you do in the name of your God."

Hierin liegt eine Antwort auf den unmenschlichen Unfug, den Gotteskrieger überall treiben... nicht im Killen von afghanischen Zivilisten.

Zum Schießen?

Mir ist das Lachen vergangen.

Forever Jung? Mein lieber Herr Kriegsminister, Sie machen mich und viele Familien forever happy, wenn Sie den Abzug Ihrer Truppen veranlassen. Möglichst bald.

In diesem Sinne

Bandit